Nach meinen bisherigen Übungseinheiten mit eher ungewohnten/außergewöhnlichen Formaten hatte ich Lust, endlich ein eher klassisches Format auszuprobieren, mit dem ich in meinem früheren Leben als Softwareentwickler bereits Erfahrungen gesammelt hatte.

…und dann hatte ich plötzlich ein kleines, aber feines Team und durfte am 29. März 2019 auch die erste Retrospektive übernehmen.

Ablauf

Da es sich um die erste Retrospektive in der vorliegenden Team-Zusammensetzung handelte, habe ich zum Einstieg die Prime Directive verlesen.

Zum Daten sammeln habe ich das Format Learning Matrix vorbereitet:

Retrospektive Format: Learning Matrix

Juhu: Was ist gut gelaufen? Was ist euch gut gelungen?

Oh: Was ist schief gelaufen? Worüber habt ihr euch geärgert?

Danke: Wollt ihr euch bei jemandem bedanken, egal ob bei jemandem hier in der Runde oder bei jemandem außerhalb? Gibt es Umstände, für die ihr dankbar seid?

Idee: Habt ihr Ideen oder ganz konkrete Vorschläge, die ihr gerne ausprobieren würdet?

Lessons Learned

Ich habe die Teilnehmer direkt für alle vier Felder Themen sammeln lassen und bewusst keine Zeitangabe gemacht, sondern abgewartet, wie lange die Schreibflut anhält. Eigentlich hatte ich mich darauf eingestellt, nach fünf Minuten weitere fünf Minuten anzubieten, die bestimmt gerne angenommen werden würden. Ich war recht überrascht, als nach ziemlich exakt fünf Minuten niemand mehr schrieb und auch keine Verlängerung gewünscht war.

Was ich sehr spannend fand, war dass alle Teilnehmer mindestens einen Beitrag pro Feld hatten, wodurch also alle vier Felder ausgewogen gefüllt waren und der Fokus nicht nur auf dem Negativfeld lag. Somit hat auch wirklich jeder Teilnehmer mindestens ein Dankeschön ausgesprochen, was schön gezeigt hat, wie positiv Zusammenarbeit und Stimmung empfunden werden. Ich habe mich ein wenig über mich selbst geärgert, dass mir das erst im Nachhinein so konkret aufgefallen ist und ich daher dem Team diesen Eindruck nicht direkt in der Retrospektive geschildert habe. Ich habe mir vorgenommen, das noch nachzuholen.

Auch wenn nicht viele Post-its im Negativfeld gelandet sind, habe ich vor dem Dot-Voting, über welche Themen in der verbleibenden Zeit gesprochen werden soll, betont, dass nicht zwangsläufig über Probleme gesprochen werden muss, sondern es auch sinnvoll sein kann, über Dinge zu sprechen, die gut funktionieren. Ich habe dabei die Grundsätze der Lösungsfokussierung nach De Shazer herangezogen:

Wenn etwas gut funktioniert, tue mehr davon.
Wenn etwas nicht funktioniert, tue etwas Anderes.

Tatsächlich schien meine Erwähnung auch Beachtung zu finden. Zwar kam das höchst gevotete Thema aus dem Negativfeld, aber dennoch wurden einige Dots auch auf Themen anderer Felder verteilt.

Fazit

Ich bin durchaus ein kleines Fangirl des Learning Matrix Formates. Es ist meiner Meinung nach leicht zu verstehen, selbst für Personen mit wenig Retrospektivenerfahrung, und was mir besonders gut an dem Format gefällt ist die relativ geringe Gewichtung des Negativfelds. Allein schon von der räumlichen Verteilung her nimmt das Negativfeld eben nur 1/4 des Platzes ein und ermöglicht bei 3/4 des Platzes einen anders gerichteten Blickwinkel. Bei manchen Teams kann es vielleicht sinnvoll sein, eine Mindest-/Maximalzahl an Beiträgen pro Feld vorzugeben, um ein Übergewicht des Negativfelds zu vermeiden. Wobei es sicherlich auch ein interessanter und besprechenswerter Aspekt sein kann, wenn das Negativfeld durch (bestimmte) Teilnehmer ein Übergewicht erhält.


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Frau Lyoner